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zarte takte kleinEs ist schon ein paar Wochen her, da schickte mir Marlies Blauth, Teilnehmerin am legendären „Sofa-Treffen“ ihren Gedichtband „zarte takte tröpfelt die Zeitzur Besprechung. Ich habe mich sehr gefreut und fühlte mich gebauchpinselt…

…und stellte den fadengehefteten Band erst mal zur Seite und fuhr in Urlaub. Auch danach dauerte es etwas, bis ich ihn mir vornahm: (Moderne) Lyrik kann ich nicht „mal gerade“ lesen, dazu muß ich Muße haben…Wo anfangen? Werkimmanent, also ohne Autorin und Zeit zu betrachten? Oder die Hintergründe beleuchten? Wie subjektiv darf ich sein? Fragen aus einem unvollendeten Germanisikstudium aus grauer Vorzeit tauchen auf – gut, daß mich hier kein Akademischer Oberrat benotet!

Die Frage „Was ist Lyrik?“ aus dem 1. Semester fällt mir wieder ein. „Gebundene Sprache“ war die Antwort, und die liegt in Marlies`Gedichten wahrhaftig vor – auch ohne Reime oder festes Metrum merkt man sofort, daß hier nicht Prosa geschrieben wird: Es werden Worte verwendet, die garantiert nicht im Grimm’schen Wörterbuch stehen (Gedankenmäuschen, blütenschwer, Lederworte…), völlig frei im Zeilenumbruch und Groß/Kleinschreibung malt sie wilde und anrührende Wortgebilde.

„Malen“ ist das Stichwort, das bei Marlies einfach kommen muß. Die universitär ausgebildete bildende Künstlerin benutzt viele Farbworte (blau!), redet von feuchter oder klebriger Farbe; Licht und Dunkelheit in allen Facetten vermitteln Stimmungen.

Der Gedichtband ist dreigeteilt. Der erste Teil zeiten ist in meinen Augen geprägt von persönlichen Erinnerungen, auch und vor allem an Marlies‘ Heimat im Ruhrgebiet. Dazu passend sind im ganzen Buch Illustrationen aus Kohlenstaub (!) eingefügt.“Erinnerung/ Am Kiosk“ lässt den Leser geradezu mitschmecken und riechen!  Die Gedichte des zweiten Teiles bittertropfend kommen mir manchmal etwas zu bitter rüber – sehr schön sarkastisch ist „gottesdienst“ über den Verkaufsoffenen Sonntag! Der abschließende Abschnitt zarte takte hält für mich die meisten Perlen bereit: „stillleben“ und „Liebe, die erste„, zwei eher kurze Gedichte, finde ich total anrührend!

Wie Lyrik bewerten? Die Kunstfertigkeit und die Handhabung des dichterischen Werkzeuges analysieren und benummern? Nein, Lyrik ist gut, wenn sie uns anmutet! Die Mehrzahl der Gedichte von Marlies Blauth muten mich an – ich sehe in ihnen die starke, naturverbundene, farben- und blumenverliebte, fröhliche UND nachdenkliche Frau die ich kenne!

auf meinem Wohnzimmertisch